Aktualisiert 06.02.2026

Mississippi Dampfer ROBT. E. LEE von 1866

Text und Fotos: Lothar Wischmeyer

Robert E Lee, Steamboat. Gemälde von August Norieri, 1884

Die ROBT. E. LEE war ein Mississippi-Flussdampfer von 87 m Länge und 14 m Breite, dessen Rumpf nach Plänen von DeWitt Hill 1866 in New Albany, Indiana gebaut wurde. Namensgeber war der bekannte Südstaaten-General Robert Edward Lee. Eigentümer und Kapitän war John W. Cannon.
Weltberühmt wurde der Dampfer durch das Rennen auf dem Mississippi von New Orleans nach St. Louis im Jahr 1870 gegen die NATCHEZ, dass die ROBT. E. LEE in der Zeit von 3 Tagen, 18 Std. und 14 Min. gewann. Als sichtbares Zeichen dieser Rekordfahrt führte das Schiff ein goldenes Geweih auf dem Steuerhaus, vergleichbar mit dem imaginären „Blauen Band“ für die schnellste Atlantiküberquerung.

Bis heute ist der von der ROBT. E. LEE aufgestellte Rekord von keinem Dampf-Frachtschiff unterboten worden. Aber auch diese Leistung konnte nicht verhindern, dass Ausgangs des 19. Jahrhunderts die große Zeit der Frachtdampfschiffe auf den amerikanischen Flüssen endete. Der rasche Ausbau der Eisenbahn sorgte für schnellere Verbindungen zu geringeren Preisen. Ein solches Rennen war durch die berühmten Schaufelraddampfer nicht zu gewinnen.

Steuerbord

Ich jedenfalls mochte dieses Schiff sehr gerne und schon vor Jahrzehnten bekam ich einen amerikanischen „Bausatz“ für dieses Modell in die Hände, bzw. das, was sich deren Produzenten damals darunter vorstellten. Zu meinem Entsetzen handelte es sich eher um eine Ansammlung minderwertiger Materialien verknüpft mit ungeeigneten Vorschlägen, wie daraus ein Modell gemacht werden könnte.

Beispielsweise sollten sowohl große Flächen aber auch Details aus bedruckter Pappe ausgeschnitten, auf das Holz geklebt und dann montiert werden. Eine solche Bauweise kam für mich nicht infrage und so lagerte ich den Baukasten zunächst ein. Im Laufe der Zeit zerfiel das dem Bausatz beigelegte Holz, was beredtes Zeugnis über dessen Qualität ablegt.
Als ein Freund in späteren Jahren den Baukasten bei mir entdeckte, kam er nach einem schnellen Blick auf dessen Inhalt zu dem gleichen Schluß wie ich bereits vor Jahrzehnten. Allerdings war jetzt die Zeit reif, dieser Herausforderung gefaßt ins Auge zu blicken und für Abhilfe zu sorgen. So stellte ich erste Überlegungen an, wie ich aus dem „Bausatz“ dennoch ein gutes Modell bauen könnte.

Backbord Ladung

In einem ersten Schritt wurde ermittelt, welche Teile überhaupt noch verwendet werden könnten. Dies waren im wesentlichen der aus Abachi gefräste Rumpf und die aus Buche gedrechselten Schornsteine. Für die Pappteile bot es sich an, diese durch geätzte Messingteile zu ersetzen, was dann auch durchgeführt wurde. Fast alle Hölzer wurden durch besser geeignete Sorten ersetzt, die Beschlagteile wurden von mir sämtlich neu angefertigt.
Die aus Weißmetall gegossenen Beiboote dienten mir als Muster für die Abformung mit Silikon. In den Formen entstanden neue Exemplare aus Gießharz, die in der Folge auch einen Innenausbau erhielten. Ergänzt wurde noch diverses Ladegut. Der dem Baukasten beigefügte Bauplan war in Gegensatz zu den anderen Teilen recht gut. Weitere Anregungen und Informationen erhielt ich auch von einem Bekannten aus den USA.

Das Modell wurde als Standmodell im Maßstab 1:140 ausgeführt und schmückt inzwischen mein Wohnzimmer - natürlich in einer Glasvitrine.


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