Aktualisiert 22.11.2021

Englisches Kanalboot (Narrow Boat) von 1930

Text und Fotos: Lothar Wischmeyer

Perspektivansicht

In früher Jugend war ich begeisterter Leser von Marineliteratur, unter anderen die im Jahr 1937 bis 1962 erschienenen Bücher von Cecil Scott Forester über das Leben eines Horatio Hornblower, ein Seemannsleben. In einem der Bücher wird beschrieben, wie er auf dem Weg nach London mit einem Narrow Boot auf dem Rücken liegend das Boot mit den Beinen durch einen Tunnel schiebt. Das wollte ich erforschen. Bei einem England- Urlaub fuhren wir dann die Inland Wasserwege ab und fanden auch den Tunnel (Sapperton Canal Tunnel). Anschließend beschäftigte ich mich intensiv mit den Narrow Booten, fand eine Menge Literatur und wollte irgendwann ein Modell bauen. Einige Jahre später erfolgte dann der Bau.

Heckbemalung

Das Modell zeigt ein Kanalboot wie es seit 1750 auf den englischen „Inland Wasserwegen“ genutzt wurden. Die Boote passten sich in ihrer Größe und dem geringen Tiefgang den von Hand gegrabenen Kanälen und vor allen den Schleusen an und wurden getreidelt, dass heißt von einem Pferd gezogen. Es wurden Kohle und Baumwolle zu den Industriemetropolen befördert. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn verloren sie langsam an Bedeutung. Die meisten Boote waren nach Art der gypsy- Wagen im 18. Jahrhundert bunt bemalt und fantasievoll in der Art der Bauernmalerei verziert.
Viele der Boote sind heute als Touristenboote umgebaut und befahren nach wie vor auf den alten Kanälen.

Treidelbaum mit Tampen und Laderaum

Das Boot ist zum größten Teil aus Birnbaumholz und ein wenig Sperrholz nach Plan gebaut und mit Hand bemalt worden. Schriften habe ich mit Abziehfolie erstellt.
Um das Größenverhältnis darzustellen besorgte ich mir eine Figur im gleichen Massstab. Es müsste eigentlich eine Frau sein, denn die Frau steuerte das Boot, der Mann stand am Bug und hielt die Richtung bei, während ein Kind auf dem Pferd saß und das Boot zog. Durch den Tunnel konnte nicht getreidelt werden, so legte sich der Mann vor der Kajüte auf den Rücken und schob das Boot mit den Füßen an der Decke laufend durch den Tunnel.
Die Länge über alles betrug 21,00 m, die Breite den Schleusen angepasst 2,10 m, der Tiefgang nur 75 cm und insgesamt betrug die Wasserverdrängung 30 t.


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