Aktualisiert 06.03.2022

SM. Torpedoboot G-102 von 1918

Text und Fotos: Lothar Wischmeyer

Bug mit Anker

Vor ungefähr 8 Jahren bekam ich von einem Bekannten den Auftrag, ein Torpedoboot mit drei Schornsteinen zu bauen. Die Wahl fiel auf SMS. G-102, da ich davon die Original Werftpläne in meinem Besitz hatte.
G 102 war eins von vier Torpedoboote, die 1912 von der Argentinischen Marine bei der Germaniawerft in Kiel bestellt wurden. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs befanden sich die bestellten Torpedoboote noch auf den Helgen und wurden vom Deutschen Reich für die kaiserliche Marine übernommen. G 102 wurde am 8.04.1915 in Dienst gestellt und war bei der Hochseeflotte im Einsatz, nahm an der Skagerrakschlacht teil, führte 1917 erfolgreich Handelskrieg und musste 1918 mit der Hochseeflotte nach Scapa Flow ausgeliefert werden.

Originalfoto von G-102

1919 als Kriegsbeute an die USA abgegeben und 1921 bei Cape Henry Virginia als Versuchsboot für Fliegerbomben versenkt.
Die Amerikaner machten vorher eine Menge Fotos von dem Schiff, die mir beim Bau gute Dienste leisteten. Ich baute das Modell nach dem Umbau im Zustand von 1918, mit dem vorderen verlängerten Schornstein und erhöhter Brücke.
Das Boot hatte eine Länge über alles von 95,30 m. Die Breite betrug 9,47 m und der Tiefgang 3,84 m. Das Torpedoboot hatte eine Wasserverdrängung von 1734 t.

Bug und Heck des Urmodells

Ich begann mit dem Bau des Modells nach meiner gebräuchlichen Methode, in dem ich einen Urmodellrumpf aus über 50 Jahre alter Brasilkiefer, vorher war das ein Türfutter einer Zimmertür, anfertigte. An diesem Rumpf wurden alle Teile, wie Schlingerkiel, Scheuerleisten, Metallplatten aus passendem Isolierband oder Wellenhosen angebracht. Danach kam dann die obligatorische Silikonform in zwei Teilen, die dann zusammengesetzt werden musste.

Vorderer Schornstein

Der Rumpf war fertig, als mein Bekannter verstarb. Ich war so geschockt, dass der Bau erst einmal fünf Jahre stoppte.
Aber ein angefangenes Modell steht auch nur rum und so wurde das Modell dann weiter gebaut. Für die Details mussten noch viel Forschungsarbeit geleistet werden. Die Kleinteile wurden von mir aus Messing oder Kunststoff angefertigt. einige Bauteile, die mehrfach gebraucht wurden, konnten abgeformt und mit Biresin vervielfacht werden. Nach 1950 Stunden Arbeitszeit wurde das Modell dann irgendwann fertig.

Quellen:
eigenes Archiv
Fotos aus den USA
Werftoriginale


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