Aktualisiert 07.03.2026

Gouvernementsdampfer HEDWIG von WISSMANN

Text: S. Borgschulze, Fotos und Modelle von: K. Berges†, S. Borgschulze, W. Ferlemann, G. Frerichs.

Da schon auf früheren Veranstaltungen Modelle dieses Schiffes ausgestellt waren, interessierte mich die Geschichte dieses Schiffes.

Geschichte:

Im Berliner Kongovertrag vom 26.2.1885 verpflichtete sich das Deutsche Reich die Sklaverei in seinen Kolonien zu verhindern. Darauf bildeten sich im Reich private und kirchliche Gesellschaften um diese Verpflichtung zu unterstützen. Besonders die Deutsche Kolonialgesellschaft warb durch Vorträge bekannter Afrikaforscher um Spenden zur Unterstützung dieser Idee.

Bauwerft

Mit diesen Geldern wurde der Bau eines Dampfers der für den Tangajikasee finanziert, der in Hamburg von der Schiffswerft & Maschinenfabrik, vormals Janssen & Schmilinsky, ab August 1897 mit der Baunummer 360 gebaut wurde. Schon am 1. Februar 1898 konnten die Auftragsgeber das fertige Schiff besichtigen. Der Dampfer war 20 m lang, 4,65 m breit. Mit kompletter Ausrüstung, 20 cbm Brennmaterial (Holz) und etwa 100 Personen sollte der normale Tiefgang 1,25 m betragen. Die Verdrängung wurde auf 48 BRT berechnet. Mit 85 PSI erreichte der Dampfer 9 Knoten. Zwei in je sechs Teile zerlegbare aus verzinktem Stahlblech angefertigte Beiboote gehörten zur Ausrüstung. Seine Bewaffnung bestand aus einer 3,7 cm Kanone auf Pivotlafette und einem Maxim-Maschinengewehr, ein Geschenk der Krupp AG in Essen. 14 Mann bildeten die Besatzung. In verschiedenen Tagezeitungen erschienen hierzu ausführliche Beschreibungen dieses kleinen Dampfers.

Im Jahresbericht der Deutschen Kolonialgesellschaft werden die Baukosten mit 53 200 Mark aufgeführt. Im gleichen Bericht werden 250 000 Mark für den Transport eingeplant.
Da der Dampfer auf der Werft nur zusammen geschraubt war, konnte das Schiff zum Transport wieder in Einzelteile zerlegt werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass kein Teil schwerer als 30 kg war. Dies war das Gewicht das ein einheimischer Träger normal tragen konnte. Für die schwereren Teile lieferte die Werft 30 eiserne Transportkarren mit.
  Das gesamte Material wurde in über 1500 Kisten verpackt und verließ am 30. März 1898 mit dem Reichspostdampfer BUNDESRATH Hamburg.
Vom Hafen Chindi (Portugiesisch-Ostafrika) am schiffbaren Mündungsarm des Sambesi, wurde dann über den in den Sambesi mündeten Shire-Fluß, die Ausrüstung in mehreren Teilabschnitten zum Tanganyikasee gebracht. Alle Teile des kleinen Dampfers erreichten nach fünfzehn Monaten ihren Bestimmungsort und wurden dort auf einer eigens dafür eingerichtete Werft wieder zusammengebaut. Hierzu wurden der Schiffzimmermann Gröning, Kesselschmied Wedler, die Maschinisten Wächter und Engelte, der Sanitätsunteroffizier Runge und 250 einheimische Arbeiter eingesetzt.

Stapellauf

Am 20.September1900 fand der zweite Stapellauf statt, wobei der Dampfer auf den Namen HEDWIG von WISSMANN getauft wurde. Die Namensgeberin Katharina Hedwig von Wissmann, (1867-1949) war die Ehefrau des Reichskommissars für Ostafrika Hermann Wilhelm Leopold von Wissmann (1853-1905)
Der Stapellauf verzögerte sich um 14 Tage, da vor dem tiefen Wasser noch eine Sandbank lag. Mit bis zu 800 Hilfskräften waren nötig um den Dampfer über die Sandbank zu ziehen. Endlich am 4.Oktober war der Stapellauf vollendet und der Dampfer lag im tiefen Wasser.
Gleichzeitig wurde der Dampfer offiziell vom Reich übernommen und führte ab jetzt die Reichsdienstflagge.

HEDWIG von WISSMANN

Am 6. November 1900 begann die erste Fahrt nach Kituta am Südende des Sees. Nach dieser Fahrt fuhr der DAMPFER einmal im Monat alle am See liegenden Orte an.

1903 Der Dampfer wird von Bismarkshafen nach Ujilji verlegt, da dort das Frachtaufkommen größer ist.

In den folgenden Jahren werden immer wieder Reparaturen und Umbauten an der Maschinenanlage des Dampfers gemeldet.
Bis 1910 war die HEDWIG von WISSMANN der größte Dampfer auf dem See und unterband erfolgreich den Sklavenhandel.

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde die HEDWIG von WISSMANN von der Kriegsmarine übernommen. Die Besatzung von S.M Vermessungsschiff MÖVE, die ihr Schiff an der Küste hatte versenken müssen, übernahm die HEDWIG von WISSMANN und rüstete sie mit drei 3,7 cm Revolverkanonen von der MÖVE aus. Einsätze gegen feindliche Schiffe und Landbefestigungen und Transportaufgaben waren jetzt ihre Aufgaben.

Am 9. Februar 1916 wurde die HEDWIG nach einem schweren Gefecht mit den englischen Motorbooten MIMI und TOUTOU, die schneller und besser bewaffnet waren, von der Besatzung versenkt.

Quellen:
Seidel, H. Beiträge zur Kolonialpolitik und Kolonialwirtschaft, Berlin 1892-93.
Fitzner, Rudolf, Ein deutscher Dampfer für den Tanganjika, Berlin 1897.
Gröner, Erich, Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 7, Seite 220-222.
Röhr, Albert und Mielke Otto.SOS-Hefte, Nr.158. Krieg und Frieden auf dem Tanganyikasee, München
Marine-Archiv, Der Krieg in den ausländischen Gewässern, Bd.2, Berlin 1923
Deutsches Kolonialblatt, Amtsblatt für die Schutzgebiete in Afrika und der Südsee, Berlin, 1890-1914.
Deutsche Kolonialzeitung, Berlin,1898-1905
Hamburger Fremdenblatt, Tagezeitung vom 30.3.1898
SW-Bilder sind gemeinfrei. Kolonialarchiv Universität Frankfurt a.M.

Die Modelle:

W. Ferlemann Modell

Aus den vorhandenen genauen Beschreibungen des Dampfers und der Auf- und Seitenansicht, ergänzt mit den Spantenrissen gleichgroßer Schleppdampfer, wurde eine Zeichnung im Maßstab 1:50 angefertigt. Zur Überprüfung der Maße wurde dann ein Rumpfmodell aus Erlenholz geschnitzt. Von diesem Urmodell wurden dann mehrere GFK Rumpfschalen angefertigt, die dann als Grundlage für die verschiedenen Fahr- und Standmodelle der HEDWIG von WISSMANN dienten.


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