Aktualisiert 28.06.2026

Heckraddampfer für Deutsch-Ostafrika ULANGA

Text: S. Borgschulze, Fotos der Modelle: M.Bauer, K. Berges†, S.Borgschulze.

Die Vorgeschichte:

Als der Arbeitskreis 1995 in Papenburg tagte, besichtigten wir auch die Meyer-Werft. Eine Führung durch das Firmenmuseum und der Bauhalle gaben einen Einblick in die Geschichte der Werft und ihrer Entwicklung. Im Museum fielen mir Modelle von Schiffen auf, die in Deutsch-Ostafrika eingesetzt wurden. Ich machte Fotos davon und fragte nach entsprechenden Plänen. Ich bekam später Kopien der Pläne und stellte fest, dass es in der bekannten Literatur nur wenig über diese Schiffe zu finden war. Also sammelte ich alles was ich darüber finden konnte.

Lebenslauf der ULANGA.

Nachdem die Verwaltung von Deutsch-Ostafrika das Flußgebiet des Rufidji auf Schiffbarkeit mit flachgehenden Dampfern untersucht hatte, bestellte das Kolonialamt 1897 bei der Josef L. Meyer-Werft in Papenburg einen Heckraddampfer für den Rufidjifluß.

Im Januar 1898 wurde dann der neue Heckraddampfer für den Rufidji nach Probefahrten auf der Ems von der Kommission der Kolonial-Abteilung abgenommen. Das Fahrzeug bekam den Namen ULANGA und hatte eine Länge von 35 Metern. Der Unterbau des Schiffes war aus sechs einzelnen in sich abgeschlossenen Pontons hergestellt, diese konnten zum Transport auseinandergenommen werden.
Der für Ostafrika bestimmte Raddampfer ULANGA traf gestern Vormittag(16.1.1898) im Tau des Schleppdampfes GRAF MOLTKE von seinem Erbauungsort an der Ems im hiesigen Hafen ein und wurde im Strandhafen längsseits des Reichspostdampfer HERZOG vertäut, da der ULANGA mit diesem Schiff nach Ostafrika befördert werden soll.

Der ULANGA wird dort vollständig auseinander genommen und dann an Bord der HERZOG verstaut zu werden. Das Auseinandernehmen auch des Schiffskörpers des ULANGA wird im Wasser längsseits des Dampfers HERZOG geschehen.
Der Reichspostdampfer HERZOG, der, wie berichtet, den für Ostafrika bestimmten zerlegbaren Binnenseedampfer ULANGA an seinen Bestimmungsort befördern soll, hat heute Vormittag (19.1.1898) den Hamburger Hafen verlassen. Die einzelnen Theile der ULANGA waren auf dem Oberdeck der HERZOG verstaut.
Die Anlieferung in Ostafrika soll so erfolgen, dass der Reichspostdampfer HERZOG zu den dem Rufidji vorgelagerten Mafia-Inseln geht. Dort an der Insel Koma wird dann die ULANGA von den Handwerker der Flottille zusammengesetzt und seinem Element übergeben.
Am 15. April 1898 fand die erste Probefahrt statt, welche günstig ausfiel; am 18. April wurde die ULANGA in den Rufidji-Fluß gebracht und bei der Ortschaft Salale verankert, um daselbst vollständig fertiggestellt zu werden Zu diesem Zwecke ist bei Salale ein Slip für die ULANGA durch die Flottille erbaut worden.
Eine Probefahrt den Rufidji-Fluß aufwärts Ende Mai, konnte nur bis zur Ortschaft Kipo, etwa 200 km von der Küste ausgeführt werden, da das Fahrwasser durch Baumstämme und Sandbänke vollständig gesperrt war. Ob der Dampfer seinen Zweck vollständig erreichen wird, wird sich erst mit der Zeit herausstellen; nach bisherigen Erfahrungen erscheint er zu lang und sein Tiefgang zu groß.
Nach mehreren in der Zeit vom Januar dieses Jahres (1899) unternommenen Probefahrten ist es Herrn Kapitän Beck gelungen, auf dem Dampfer ULANGA über dessen Zweckmäßigkeit man lange in Zweifel war, den Rufidji 288 Kilometer heraufzufahren.

Deutsch-Ostafrika Quelle: Kleiner Kolonialatlas, Berlin,1896

Man erreichte das in der Nähe der Panganifälle gelegene Kungulio.
Es scheint sich allmählich immer mehr herauszustellen, dass der den Rufidji befahrende Heckraddampfer ULANGA nicht ganz seiner Bestimmung entsprechend gebaut ist. Seines Tiefganges wegen kann er nur einen Teil des Jahres nicht ohne Schwierigkeit die Strecke Salale-Kungilio überwinden, während ihm bei regelmäßigen Fahrten stets volle Ladungen sicher wären.
Mit großen Hoffnungen hatte man seinerzeit den Flußdampfer ULANGA auf dem Rufidji in Dienst gestellt, der seine Fahrten bis Kungulio, etwa 300 km stromaufwärts, ausdehnte. Da der Dampfer keine Einnahmen erzielte und seine Indiensthaltungskosten, die Gehälter und Löhne für das weiße und farbige Personal, in keinem Verhältnis zu dem erzielten Vorteilen standen, wurde er im Jahre 1902 außer Dienst gestellt und in Salele auf dem Slip gesetzt. Man hat dann vergeblich versucht, den Dampfer für 30-40000 M zu verkaufen. Im April und im Juli ist der Dampfer, um ihn in irgend einer Weise nutzbringend zu verwerten, wieder in Dienst gestellt und hat die Ernte der am Unterlauf des Rufidji bis nach Kungulio liegenden Bezirke an Mtama, Mais usw. zur Küste gebracht. Hiernach wurde der Dampfer wieder stillgelegt.
Bei der Außerdienststellung wurde er eine eingehenden Konservierung unterworfen und hierbei die Pontonböden durch Aufsetzen von Flicken repariert. Die letzteren haben in Folge des häufigen Auflaufens und Schurrens über die Sandbänke stark gelitten, während der Oberbau des Schiffes und die Aufbauten sehr gut erhalten waren.
Die Erhaltung des Flußdampfer ULANGA ist aus den im Vorjahre dargelegten Gründen definitiv aufgegeben worden. Die Kessel-und Maschinenanlagen wurden nach Daressalam geschafft und sollen demnächst den Maschinen-Werkstätten als Dampfantrieb für sämtliche Arbeitsmaschinen dienen. Die hölzernen Aufbauten wurden bis auf eine Kabine demontiert und zur Verwendung in der Schiffszimmerei ebenfalls nach Daressalam gebracht. Der Schiffskörper dient jetzt in Salale als Prahm für das Feuerholz der Gouvernements-Dampfer (1904).

Die Modelle:
Für den Bau der Modelle standen Kopien des Originalplans zur Verfügung.

Das von Herrn K. Berges† erstellte Modell wurde im Maßstab 1:50 aus Messing hergestellt.

Das Modell von Herrn M. Bauer wurde im Maßstab 1:250 aus Karton angefertigt.

Quellen:
Verschiedene Tageszeitungen aus Deutschland und Deutsch-Ostafrika von 1898-1905.
Jahresberichte über die Entwicklung der Schutzgebiete in Afrika und der Südsee, Berlin, 1898-1908
Gröner,E. Die Deutsche Kriegsschiffe von 1815-1945,Koblenz 1990 Bd.7,S.220.
Eilers Rolf u. Kiedel Klaus Peter, Meyer Werft von 1795-1988, Papenburg 1988.
Ebenfalls wurden in der Zeitschrift - Schiffbau, Schiffahrt und Hafenbau von 1901 die Zeichnungen und detaillierte Beschreibungen zweier in Papenburg gebauter "Heckrad-Dampfer der deutschen Kolonien in Afrika" gezeigt.
Es handelt sich um die SODEN für Kamerun und die ULANGA für Deutsch Ost-Afrika. Beide waren zerlegbare, extrem flachgehende Heckrad-Flussdampfer, wie sie auch von anderen Kolonialmächten in ihren Kolonien eingesetzt wurden.


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