HESPER Original 1885
Der Lotsenschoner HESPER aus Boston von 1884
Text und Fotos: Klaus Prystaz
Das Original:
Am 4. Oktober 1884 lief auf der Montgomery & Howard Werft in North Chelsea, Massachusetts der Lotsenschoner HESPER vom Stapel. Er war mit 102 Fuß Länge, 23 Fuß Breite und einem Tiefgang von 15 Fuß 2 Zoll das größte, schnellste und bekannteste Lotsenschiff seiner Zeit unter amerikanischer Flagge. Mit seinem Entwurf zu diesem bemerkenswerten Schoner entfernte sich der Konstrukteur Dennison J. Lawlor von seinen früheren Designs, da er HESPER länger, tiefer und schmaler konstruierte als die übrigen Bostoner Lotsenschoner. Als Arbeitsschiff war sie sehr robust gebaut, trotzdem verliehen ihr ihre eleganten Aufbauten aus Mahagoni ein yachtmäßiges Aussehen.
Die HESPER nahm an mehreren hochkarätigen Segelregatten teil, unter anderem am 1. Fishermens Race, das sie 1886 auch gewann. Das Rennen führte über eine Distanz von ca. 35 sm vom Boston Light über Minot's Ledge nach Gloucester, wobei die Boje vor Eastern Point Light umrundet werden musste. Um 1889 wurde das ursprüngliche Bugspriet der HESPER durch ein deutlich längeres Pfahlbugspriet ersetzt.
Ihre phänomenale Seetüchtigkeit auch während des schlimmsten Winterwetters auf See blieb unerreicht. Dank dieser Eigenschaften sowie dem Können und Mut der Lotsen konnte auch manches Menschenleben aus Seenot gerettet werden.
1901 wurde HESPER an Andrew C. Wheelwright verkauft und in eine Yacht umgebaut. 1918 war sie als Fischereischiff mit Benzinhilfsmotor in Castine, Maine, registriert. Am 5. Mai 1919 lief sie in der Delaware Bay auf Grund und wurde zu einem Totalverlust erklärt. Die gesamte Besatzung unter Kapitän McLean konnte gerettet werden.
Das Modell:
Länge (über Deck): 131,5 cm
Länge (über Alles): 181,0 cm
Breite: 29,0 cm
Tiefgang: 39,0 cm
Höhe (Stengentop über CWL): 132,0 cm
Segelfläche: 1,14 qm
Verdrängung: 16,3 kg
Maßstab: 1 : 24
Der von Erik A. R. Ronnberg gezeichnete Plansatz und die Abhandlungen seiner Recherchen im 'Nautical Research Journal' waren die Bauvorlagen für dieses Funktionsmodell. Der Rumpf wurde aus Birkensperrholzleisten in Spantbauweise erstellt und mit Glasmatte / Epoxydharz außen beschichtet. Der Rumpf ist ca. 15 mm unterhalb des Decks entlang einer Plankennaht in ein Oberteil und ein Unterteil geteilt. Zur sicheren Verbindung der beiden Rumpfteile wurden abwechselnd 5 cm lange Messingröhrchen angeklebt, durch die auf beiden Seiten vom Heck aus je ein Messingstab eingeführt werden kann (System Klavierband). Abgedichtet durch ein D-Profil vom Tesamoll entstand so eine sichere Verbindung der Rumpfhälften. Für die eleganten Aufbauten benutzte ich gedämpftes Birnenholz, das mit einer Mahagoni-Holzbeize nachbehandelt und mit Klarlack versiegelt wurde.
An Deck galt es weitere Ausrüstungsgegenstände verkleinert nachzubauen, teils aus Holz wie das Steuerrad, teils aus Metall wie Kompass, Lenzpumpen oder Ankerwinde. Die Metallteile fertigte ich aus Messing, das je nach dem beim Original verwendeten Metall farblos lackiert, schwarz brüniert oder, bei ursprünglicher Verzinkung, verzinnt wurde. Bugspriet, Masten, Stengen und Spieren entstanden aus Ramin-Rundstäben und wurden braun gebeizt. Das stehende Gut war im Original aus Drahttauwerk, das ich im Modell aus Edelstahllitze mit verschiedenen Durchmessern realisiert habe. Die Wanten sind teilweise komplett bekleedet und geteert, also mit dünnem dunkelbraunem Garn umwickelt. Für die Segel wurde sehr dünner Baumwollbatist verwendet, der normalerweise als Inlett für Daunendecken Verwendung findet. Er ist so leicht, dass er für den Zuschnitt und das Nähen mit Tapetenkleister gestärkt werden musste. HESPER’s Segel hatten zusätzlich eine Mittelnaht, die in erster Linie dazu diente, die Baumwollsegel zu verstärken.
Ein Schoner dieser Größe lässt sich als Modell nur mit Außenballast betreiben. Deshalb wurden durch den Kiel 2 Messingstäbe in den Rumpf geschraubt, an denen während des Segelns eine Kielflosse mit einer Bleibombe aufgesteckt und verriegelt werden kann. Kommt das Modell wieder aus dem Wasser, zieht man die Flosse ab und die Stäbe halten das Schiff sicher auf seinem Modellständer. So ausgerüstet, kann das Modell der HESPER auch bei 4 Bft Wind, noch mit Vollzeug gesegelt werden. Zum Ansteuern der Segel werden insgesamt 3 Segelwinden eingesetzt, je eine für die 2 Gaffelsegel und eine für die 6 Schoten der 3 Vorsegel. Für die Ansteuerung des Steuerruders kommt ein Standardservo zum Einsatz.
Ein Schoner dieser Größe lässt sich als Modell nur mit Außenballast betreiben. Deshalb wurden durch den Kiel 2 Messingstäbe in den Rumpf geschraubt, an denen während des Segelns eine Kielflosse mit einer Bleibombe aufgesteckt und verriegelt werden kann. Kommt das Modell wieder aus dem Wasser, zieht man die Flosse ab und die Stäbe halten das Schiff sicher auf seinem Modellständer. So ausgerüstet, kann das Modell der HESPER auch bei 4 Bft Wind, noch mit Vollzeug gesegelt werden. Zum Ansteuern der Segel werden insgesamt 3 Segelwinden eingesetzt, je eine für die 2 Gaffelsegel und eine für die 6 Schoten der 3 Vorsegel. Für die Ansteuerung des Steuerruders kommt ein Standardservo zum Einsatz.
Wie das Original zeigt sich auch das Modell unter „atlantischen Bedingungen“ von seiner besten Seite. Das schlanke, scharfe Vorschiff durchschneidet die Wellen mühelos, und trotzdem hat das Vorschiff genügend Volumen, um ein Unterschneiden bei starken achterlichen Winden zu verhindern. Das Modell ist auf Kursen am Wind leicht luvgierig, was sich aber mit etwas Stützruder gut ausgleichen lässt. Diese leichte Luvgierigkeit hat den großen Vorteil, dass eine Wende durch den Wind nahezu immer gelingt! Bei halbem Wind und vor dem Wind liegt HESPER gut und neutral am Ruder, das nicht vergrößert wurde!
Dennison J. Lawlor hat in seiner langen Karriere viele Lotsenschoner entworfen, aber die HESPER war unbestritten sein Meisterstück. Das bestätigt sich auch im Modell.
Quellenangaben:
Chapelle, Howard I.: American sailing craft. Bonanza Books, New York. 1936
ders. : The National Watercraft Collection. Smithsonian Institution Press. 1976
Cunliffe, Tom: Pilots. The World of Pilotage under Sail and Oar, Vol. 1. Le Chasse-Marée / Maritime Life and Tradition, 2001
Eastman, Ralph M.: Pilots and pilot boats of Boston harbor. Boston, Massachusetts. 1956
Ronnberg Jr., Erik A. R.: Hesper of Boston, 1884: Recent research, new plans, and a model. Teil I. Nautical Research Journal Heft 4. 1993
ders. : Hesper of Boston, 1884: Recent research, new plans, and a model. Teil II und III. Nautical Research Journal Heft 1 u. 2. 1994
ders. : Pilot Schooner Hesper of Boston, 1884. Rockport, Massachusetts. 1994
The Boston Daily Globe: Hesper will become a yacht. Boston, Massachusetts. 13. Mai 1901, S. 5
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