| Preiswerter Modellbau mit „einfachen“ Mitteln aber hohem
Anspruch. |
Am Beispiel des kleinen Neptun –
Frachters MS. POLLUX, einem Stückgutfrachter aus der ersten
Nachkriegszeit (Baujahr 1953 – 1983 abgewrackt), als den Deutschen
der Bau und Betrieb von größeren Kauffahrteischiffen wieder
gestattet war, kann gezeigt werden, dass ein sehr preiswerter
Modellbau möglich ist, der hohe Ansprüche erfüllt.
Dabei hat der Autor wieder einmal auf einen Baustoff zurückgegriffen
den er in einer Zeit für sich entdeckt hatte, als das Wort
Taschengeld noch ein Fremdwort und Improvisieren eine Tugend war.
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Die „Vorlage“, MS. POLLUX, DG Neptun
Bremen, 1161 BRT/1602 tdw, 80,01m - 11,80m – 4,32m, 13 kn, 19 Crew,
9 Pass., 1953 bei Unterweser, Bau Nr. 360.
Das Schiff machte während seiner Zeit als Frachter unter deutscher
Flagge Mittelmeerreisen und war als Forschungsschiff für die PRAKLA
zweimal für längere Zeit in der Südsee. Eine dieser achtmonatigen
Reisen machte der Autor 1966 als Bootsmann unter Kapt. J. Poppen
mit. Die POLLUX war ein wunderschöner kleiner Frachter und ein
hervorragendes Seeschiff. Die Passagiereinrichtungen waren gediegen
und „schiffig“. Es war eine reine Freude mit diesem Schiff die
Südsee zu befahren, auch ohne Aircondition! |
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Außerdem war in der Nachkriegszeit (in der sog.
armen Zeit) weder an die heutige ungeheuere Vielfalt an
Modellbauzubehör und Spezialwerkzeug zu denken noch an Baupläne in
ausreichender Auswahl.
Also zeichnete man sich seine Pläne selbst oder griff auf „Pläne“
zurück, die es damals schon preiswert in mäßiger Auswahl gab – unter
anderen die Modellbaubogen für den Karton-Modellbau. |
| Der „Bauplan“ |
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Denn diese auf Karton gedruckten Einzelteile des
Modells im M. 1:250 ließen sich ja auch leicht in jeden beliebigen
Maßstab vergrößern und in jedem beliebigen Werkstoff ausführen.
Verfeinerungen und Verbesserungen waren eine Selbstverständlichkeit!
Die Abwickelungen der einzelnen Bauteile konnten so leicht in
dickerem Karton, als der aus denen die Modellbaubögen bestanden,
hergestellt werden. Und genauso aber auch aus dem damals kostenlos
zur Verfügung stehenden Weißblech (Dosenblech) oder gar aus anderen,
dann aber unerschwinglich teueren Blechen aus Buntmetall.
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| Das gesamte Werkzeug, nur die Laubsäge für den
Rettungsbootbau fehlt. Statt UHU Alleskleber eignet sich noch besser
weißer schnelltrocknender Holzleim ohne Lösungsmittel. |
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Selbst für Modelle die schwimmen sollten,
verwendete der Autor damals als kleiner Junge Karton (schlicht
Pappe) der mit mehreren Schichten Ölfarbe überzogen wurde und
immerhin eine längere Zeit dem Wasser standhielt.
(ein
selbstgebauter Blechpropeller und ein PKW-Scheibenwischermotor vom
Schrottplatz bildete den Antrieb, Fahrrad-Ventilgummi die Kupplung).
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| Gute Arbeit erfordert gutes
Werkzeug. |
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Für Standmodelle, deren Originale aus Stahl
gebaut waren, eignet sich Karton, neben Plastikplatten, besonders
auch heute immer noch hervorragend. Die Auswahl zwischen den
einzelnen Kartonsorten und Stärken ist groß.
Und preiswert ist der
Werkstoff immer noch, im Vergleich zu anderen Werkstoffen. Auch die
kostenlose Beschaffung von Karton dürfte kein Problem sein! Der
Verpackungsmüll wächst uns ja über den Kopf.
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| Die „Malerwerkstatt“ |
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Andere wichtige Gesichtspunkte die für den
Werkstoff Karton (Pappe) sprechen ist der sehr geringe
Werkzeugbedarf, die saubere Verarbeitung und der geringe Platzbedarf
für die „Helling“.
Im hier gezeigten Beispiel reichte der
Schreibtisch voll und ganz.
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| Der Werkstoff |
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Im Falle der POLLUX diente der Modellbaubogen als
„Vorlage“. Er wurde auf den Maßstab 1:100 vergrößert.
Das geht im
Copyshop oder zu Hause am PC mit Scanner und Kopierer. Wem es Spaß
macht, der zeichnet sich die einzelnen Abwicklungen gleich auf den
Werkstoff auf und braucht dann überhaupt keine Elektronik.
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| Die „Helling“ – verwindungsfrei. |
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Das Zeichnen und später auch Entwickeln von eigenen
Modellbauplänen ist selbst ein schönes und sehr anspruchvolles
Hobby!
Besonders auch das Arbeiten mit Zeichenprogrammen für den PC
kann dazu führen, dass man irgendwann das Bauen der Modelle selbst
dann ganz „vergisst“!
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| Kartonbau, einfach, sauber und
unkompliziert in der Verarbeitung. |
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Mit einem leistungsstarken PC lässt sich das
gesamte Fotomaterial des Originals des in Arbeit befindlichen
Modells, alle für eine Recherche nötigen Unterlagen sowie der
gesamte bereits erstellte Zeichnungssatz überall hin mitnehmen und
macht es selbst im Urlaub möglich „an seinem Modell
weiterzuarbeiten“.
Oder als Monteur auf Montage abends im Hotel!
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| Bordwände vor der Montage. |
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Aber auch die für ein Kartonmodell nötigen
Abwicklungen lassen sich leicht „per Hand“ auf einem kleinen
Zeichenbrett erstellen, das mit dem erforderlichen Zubehör in einen
Aktenkoffer passt und dann ebenfalls überall hin mitgenommen werden
kann.
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| Schneller Baufortschritt. |
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Um es ganz auf die Spitze zu treiben, für die, die ohne Frau oder
Freundin (Mann oder Freund) unterwegs sind und sich oft in Hotels
den Abend um die Ohren hauen müssen - in einem Aktenkoffer lässt
sich auch leicht eine ganze Modellwerft mit allem Werkzeug für ein
Kartonmodell verstauen, wenn man auf „Sektionsbau“ umsteigt und in
„Modulen“ produziert.
Die „Endmontage“ findet dann zuhause statt.
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Bauteile werden z. T. vor der
Montage gestrichen.
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Und am Ende die Frage: Wie lange hält so ein Karton – Standmodell?
Der Käufer eines solchen Modells kann mit mindestens 50 Jahren
Lebensdauer rechnen wenn das Modell unter einem Glassturz steht und
nicht der prallen Sonne ständig ausgesetzt ist.
So alt ist eines der
Modelle des Autors und es ist noch in dem selben Zustand wie damals!
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Deutlich sichtbare Fortschritte
schon nach kurzer Bauzeit.
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Das Kartonmodell des MS. POLLUX, im M. 1:100, ist 81 cm lang, es ist
ein „Tischmodell“ bzw. Wasserlinienmodell und soll nur
Anschauungszwecken dienen. (Die Träume des Autors beflügeln, zurück
in seine Jugendzeit an Bord dieses Schiffes). |
Sechs Wochen nach
Baubeginn. Es geht zügig voran. Restarbeiten und die Herstellung
vieler Kleinteile wie Ladewinden, Niedergänge, Sonnensegellatten
usw. stehen noch an.
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| Fertig hochglanzlackierter weißer
Karton aus dem Schreibwarenhandel. |
Eisenreling und Holzboote nicht aus Karton – Stielbruch? |
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Modell steht auf fertig blau
lackiertem Karton aus dem Schreibwarengeschäft.
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Langsam wird ein Modell daraus.
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| Die Winden sind auch aus Holz, die
Mastleiter ist aus Gardinenstoff. |
Die Bootsdavits wurden aus 3 mm ABS-Kunststoff
ausgeschnitten. |
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| Auch die Blöcke sind aus Karton.
Die Ladebäume aber aus ABS-Kunststoff. |
Schornstein |
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| Heck |
Heck |
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| Detail |
Die Riemen im Boot bestehen aus Lötdraht, der platt geklopft wurde
um die Riemenblätter zu formen. Das Boot ist 65 mm lang. |
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| Mittschiffs |
Das Modell ist nach rund 10 Wochen fertig, es fehlt noch
die Vitrine. |
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| Ein neues Kapitänsmodell ist fertig
– ein wunderschöner „Arbeitsplatz“ von einst ist im Kleinen wieder
auferstanden. |
Das fertige Modell |
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