Arbeitskreis historischer Schiffbau e.V.

Kogge von 1350

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Rekonstruktionsversuch 
der Kogge nach dem Siegel der Stadt Elbing von 1350

( Horst Menzel und Werner Damann)

 

Die Kogge war im Mittelalter das wichtigste Transportmittel zur See und der am häufigsten anzutreffende Schiffstyp auf der Nord- und Ostsee. 

Das Aussehen war insofern bekannt, als dass auf vielen zeitgenössischen Illustrationen der unterschiedlichsten Art, besonders auch auf Siegeln der Hansestädte Darstellungen von Koggen zu finden sind, nur was die Konstruktion, die genaue Bauweise betraf, tappte man im Dunkeln. 

Paul Heinsius schrieb 1956 hierzu das erste Standardwerk: "Das Schiff der hansischen Frühzeit", Prof. Th. Macklin baute ein erstes Rekonstruktionsmodell für das Museum für Meereskunde in Berlin und fertigte 1950 eine neue Rekonstruktionszeichnung an mit einer anderen Raumaufteilung. 

1962 publizierte W. Hinderer in der Zeitschrift "Der Mechanikus" ebenfalls eine Koggenrekonstruktion und von Björn Landström erschien in seinem Buch "Das Schiff" eine perspektivische Darstellung einer Kogge.
 
In den meisten Fällen nahm man für das Aussehen als Vorbild das Siegel der Stadt Elbing von 1350, wahrscheinlich weil hier einzelne Details deutlich zu erkennen sind. 

Erst als man 1962 in der Weser das Wrack einer Kogge entdeckte (nach dendrochronologischen Untersuchungen aus dem Jahre 1380), was als archäologischer Jahrhundertfund gilt, in den folgenden Jahrzehnten barg, neu aufbaute und im Ganzen konservierte, wusste man erstmals, wie eine Kogge im Original aussah und wie sie konstruiert war. 

Im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven begann W. Lahn neben dem Aufbau mit der zeichnerischen Darstellung aller Details dieses einmaligen Fundes. Auf Grund der ersten Publikationen meldeten sich in den 80er Jahren verschiedene Museum, die ein Modell einer Kogge nach den neuen Erkenntnissen haben wollten.

Hierzu gehörte das Museum Preußischer Kulturbesitz in Berlin, welches ein Modell im Maßstab 1:50 wünschte, im Aussehen ähnlich wie das Siegel von Elbing 1350. Vom DSM gab es zu dieser Zeit nur wenige Veröffentlichungen und kaum Zeichnungen oder Risse. Werner Dammann half aus. Er hatte sich intensiver mit diesem Thema beschäftigt, verfügte über bisher unveröffentlichtes Material und half mit Zeichnungen, nach denen das Modell nun nach den neuen Erkenntnissen gebaut werden konnte. 

In den 90er Jahren meldete sich das Schwedenspeichermuseum in Stade und wünschte ebenfalls ein solches Modell, aber im Maßstab 1:25. Inzwischen - 1992 - war vom DSM der umfangreiche Zeichensatz von W. Lahn veröffentlicht worden, in dem Hunderte von Einzelteilen neben Linienrissen und Aufbauplan in allen Details akribisch abgebildet sind. Damit war eine noch genauere Rekonstruktion möglich. Das kleine Modell aus dem Museum Preußischer Kulturbesitz war inzwischen als Leihgabe an das Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim gegeben worden und wurde von Berlin zurückverlangt. 

In Bad Mergentheim wollte man jetzt ein eigenes Modell, auf mein Anraten hin im Maßstab 1:25. Inzwischen gab es weitere Veröffentlichungen, in Kiel und Bremen baute man die Kogge in Originalgröße 1:1 und ebenfalls in Kampen (Niederlande), wo mit der sogenannten "Kampener Kogge" wieder neue Erkenntnisse gesammelt werden konnten. 

All dies wurde in das Modell für das Deutschordensmuseum mit eingebracht. Zusätzlich wurden in der Ostsee von den Unterwasserarchäologen in den letzten Jahren sehr viele Wrackteile gefunden, die man dem Typ Kogge zuordnet, so dass an ein Ende der Forschungsarbeiten keineswegs zu denken ist. 

Abschließend soll erwähnt werden, dass bei der Entwicklung der Modelle stets besonderer Wert auf gesicherte Quellenlage aller Details gelegt wurde.

 

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Stand Dienstag, 23. September 2003