Aktualisiert 12.02.2018

Sea Cloud - Halbmodelldiorama im Bilderrahmen

Jürgen Willing

Beschreibung des Versuchs ein Schiffsmodell im Kasten oder ein Halbmodelldiorama im Bilderrahmen zu bauen.

Bei Museumsbesuchen sieht man diese Art von Modellen häufiger, Seemannsarbeiten aus einer längst vergangenen Zeit. Die Idee wurde im Schifffahrt-Museum Brake geboren. Dort gab es bis zur Modernisierung (auch dort!) eine sehr schöne, große Sammlung dieser Arbeiten. Leider ist davon nur noch ein Rest ausgestellt.
Als ich nach zwei intensiven Jahren das zweite ACTIV Modell für den Eigner fertig hatte, brauchte ich Entspannung. Also, warum nicht mal so eine alte Arbeit versuchen und mein altes Seemannsherz befriedigen.
In Brake bekam ich die Adresse des Restaurators, der mir das Buch von J.van Beylen ‚Scheepje in de Kast‘ empfahl und auch einige Tipps. Langsam tastete ich mich gedanklich voran und merkte bald, dass die Sache nicht einfach so mal eben als Entspannung zu machen war. Zuerst die Größe entscheiden, dann einen passenden Rahmen finden, dann die dazu passgenaue Kiste bauen. Welches Schiff sollte es denn werden, bitte nicht zu kompliziert, schließlich sollte es in dem alten Stil gebaut werden – einfach aber dekorativ.
Der Ramen war schnell gefunden, die Kiste war nicht schwierig zu bauen. Nachdem ich das rohe Holz grundiert hatte, versuchte ich den Himmel als Hintergrund mit Ölfarbe zu malen, was nicht jedermanns Sache ist – ich tat mich schwer und am Ende waren es drei verschiedene Bilder übereinander.

Segelriss und Rumpfmodell

Bei dem Modell kam mir dann die „Sea Cloud“, auf der ich vor 36 Jahren fuhr, in den Sinn. Irgendwie zu kompliziert für diese Sache aber machbar.
Es ist ratsam, sich vorher eine Zeichnung in der Baugröße zu machen, möglichst mit Rigg und auch mit Draufsicht, wegen der fächerförmigen Anordnung der Rahen. In diesem Fall Maßstab 1:300.

Galion

Für den Rumpf nahm ich Ramin. Die Ausarbeitung sollte fein sein, auch mit Verschanzung. Nach der Versiegelung klebte ich 4 mm TrimLine für die Plattengänge und die Scheuerleiste auf den Rumpf. Nach dem Lackieren die Bullaugen und Ankerklüse bohren. Dann habe ich den Adler geschnitzt und die Ornamentik mit einem dünnen Pinselgemalt. Für das Deck kopierte ich ein Foto auf den Maßstab, druckte und klebte es auf den Rumpf. Die Aufbauten sind in der Tradition der ‚Alten‘ einfach gehalten. Für die Reling fand ich im Architekturbedarf geätzte Zäune, die zugeschnitten, genau passten.

Nachdem ich den Rumpf zur Probe von hinten an seinen Platz geschraubt hatte, begann ich mit der Gestaltung des Wassers. Für das Knetmaterial fand ich, wieder im Architektenbedarf, eine wasserlösliche Knete. Dies habe ich etwas mit Holzleim versetzt und auch den Untergrund damit eingepinselt. Das Material ließ sich gut handhaben und in Wellen formen. Nach dem Trocknen malte ich alles mit Ölfarbe und Klarlack an.

Zum Aufriggen zeichnete ich das Rigg auf schwarze Pappe um einen besseren Kontrast zu den hellen Fäden zu haben. Zum fixieren des Rumpfs sind zwei Stifte eingeleimt.
Nach dem Bau der Masten, werden die die Untermasten von hinten fast auf den halben Durchmesser heruntergeschliffen, angemalt und im Rumpf eingeleimt.

Auftakeln der Masten

Nun begann das auftakeln des stehenden Guts. „Sea Cloud“ war wohl eine traditionell getakelte Viermast-Bark, aber doch eine Yacht. Das heißt, dass z.B. die Wanten und Pardunen (back stays) nicht so weit nach achtern reichten, wie bei den üblichen Frachtseglern. Das heißt auch, dass man nicht so hart brassen konnte, was bei, zu meiner Zeit, fast 6000 PS (ursprünglich 3200 PS) Motorleistung am Wind auch nicht wichtig war – sie war halt eine Yacht. Also waren das stehende Gut schick in weiß gelabsalbt, nur die laufenden Drähte waren mit dunklem Dorschtran eingeschmiert.

Nach dieser Arbeit wurde nun das Gebilde fest an seinen Platz in der Kiste geschraubt. Damit sich die Masten in weiterer Zukunft nicht irgendwohin bewegen können, habe ich sie mit dünnsten Draht fixiert. Oben, seitlich der Masten kleinste Löcher gebohrt und Draht dort durchziehen, von hinten verdrillen.

Segel

Für die Segel gab mir ein Freund 8 x 100 mm Lindenbretter. Von der Zeichnung auf schwarzer Pappe nahm ich die Maße, zeichnete diese auf die Linde und sägte dann mit der Laubsäge aus. Das Ausarbeiten der Form ist eine staubige Sache (in der Wohnung ist Familienstreit sicher…). Immer wieder anhalten und geduldig vortasten ist oberstes Gebot, man möchte ja nicht immer alles zwei Mal machen. Ich fing mit den Stagsegeln an, dann die unteren Rahsegel, da die am weitesten angebrasst sind. Weiter nach oben fächern sich diese Segel immer mehr auf. Wichtig ist auch die Auflage (dort wo sie später angeleimt werden). Sie sollte groß genug für eine solide Verleimung sein. Das Segel bekommt eine, ja man kann sagen, keilförmige Form. Nach außen wird es immer dünner und das Unter-und Seitenliek sind fast hauchdünn. Oben kann man alles ein wenig dicker halten, um dort eine Rille für die Rah zu feilen oder fräsen. Ein fertiges Segel habe ich dann mit Teppichtape vorläufig angeklebt, um für das nächste einen besseren Anhaltspunkt zu haben. Nachdem alle Segel fertig waren habe ich sie mit einer farblich speziell gemixten Acrylfarbe angemalt und dann die Segelbahnen mit Bleistift aufgezeichnet und die Gordinge aus Faden aufgeklebt (gibt dem Segel optisch ein bisschen mehr Profil).

Takelung des Besanmastes

Wenn nun alles gut gefällt und richtig sitzt, werden die Stellen wo das Segel angeleimt werden soll von der Ölfarbe befreit (man kann auch viele kleine Löcher anbohren) und das Segel anleimt (ich nahm 5 Min. Epoxid).
Nun bringt man noch die Schoten und Brassen an, tränkt diese mit verdünntem Firnis und schon sind wir fast fertig.
Wer nun will, kann in der Tradition, noch ein Lotsen- Fischer- oder sonstige Boote aufs Wasser setzen. Möwen, Albatrosse oder Flugzeuge an den Himmel hängen – jedem wie es ihm gefällt.

das Diorama

Um einen staubfreien Raum zu haben, klebte ich das Glas in den Rahmen und auf den Rand der Kiste ein Dichtband aus dem Baumarkt. Rahmen und Kiste werden mit kleinen Winkeln, auch vom Baumarkt, verschraubt.
Als Fazit kann ich sagen – hat Spaß gemacht! Diese Art von „einfachem“ Modellbau haben Seeleute lange Zeit auf ihren Fahrten betrieben, mit dem Material welches zur Verfügung stand und (Hut ab!) mit Takelmesser, Raspel und Sandpapier.

Persönliche Huldigung, die nicht hierzugehören muss aber doch auch Modellbauers Motivation sein könnte:
       
…der Unvergänglichen See, den Schiffen, die nicht mehr sind, und den Männern, deren Tage nicht wiederkehren. J.Conrad

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