Aktualisiert 16.01.2016

Niederländischer Pavillon- Poon aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts

Heinz Eichner

Das Modell in Duisburg

Der Poon gehört zu der großen Gruppe rundgebauter Plattbodenschiffe, die vom 16. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert als Binnen- und Küstenfahrer das Transportwesen in den Niederlanden sicherstellten.
 
Seine Konstruktion als Plattbodenschiff trug den regionalen Besonderheiten seines Einsatzgebietes ( flache Binnengewässer, Wattenmeer mit Ebbe und Flut, Flußläufe mit Brücken und z.T. schmalen Verbindungskanälen ) ebenso Rechnung wie dem Erfordernis nach einer möglichst großen Ladekapazität. Gute Segeleigenschaften waren deshalb zunächst nur von untergeordneter Bedeutung.
Trotzdem galt der Poon allgemein als der schnellste und eleganteste Segler auf niederländischen Gewässern. Neben der Tjalk, dem wohl bekanntesten und am häufigsten anzutreffenden Schifftyp an der nordholländischen und ostfriesischen Nordseeküste, war der Poon überwiegend in den niederländischen Provinzen Zuid-Holland, Zeeland und Nord-Brabant einer der am weitesten verbreiteten Vertreter der kleineren Frachtsegelschiffe.

Das Modell in Duisburg

Poon und Tjalk weisen als rundgebaute, einmastige Plattbodenschiffe viele Ähnlichkeiten auf. Typisches Kennzeichen für den Poon ist der hohe, spitze und nach innen fallende Vorsteven, der bei der Tjalk in dieser extremen Ausgestaltung so nicht anzutreffen ist. Die meisten Poone sind etwas breiter gebaut als die Tjalk. Im Querschnitt weist der Rumpf des Poon zudem bei den Kimmen eine größere Breite auf als bei den Barkhölzern, was zum einen für mehr Ladekapazität, zum anderen aber auch für eine größere Stabilität bei ungünstigen Segelbedingungen sorgte. Der Poon hatte in der Regel einen festen Mast, da sein Haupteinsatzgebiet ein Umlegen des Mastes ( Brückendurchfahrten) nicht erforderlich machte; anders sah dies bei der Tjalk aus, deren Mast fast immer umlegbar in einem Mastkoker gelagert war. Im Decksverlauf zeigt der Poon im Vergleich zur Tjalk einen merklich stärkeren Sprung, woraus sich das etwas elegantere Gesamtbild des Poon ableiten lässt.

Das Rigg des Poon bestand aus einem Großsegel ( Schratsegel ), das anfänglich als Sprietsegel, später aber durchweg als Gaffelsegel mit einer kleinen, gebogenen ( später geraden ) Gaffel und einem Gaffelbaum gefahren wurde. Vor dem Großmast befanden sich noch ein Stagfock- und ein Klüversegel.

Das Modell wurde im Maßstab 1: 22 aus Birnbaumholz angefertigt und hat folgende Abmessungen:
Modell Original
Länge
Rumpf von Bug bis Hecksteven 66,0 cm 14,5 m
über alles einschl Ruder u. Bugspriet 83,5 cm 18,4 m
Breite
über alles mit Seitenschwertern 22,0 cm 4,8 m
von Barkholz zu Barkholz 18,6 cm 4,1 m
Höhe 76,0 cm 16,7 m

Das Modell wurde nach Plänen, die im Binnenschifffahrtsmuseum in Duisburg verkauft werden, angefertigt. Dort steht auch das Modell dieser Poon.

Das Titelbild des Heftes

Jaeger, Werner: Das Modell einer Poon: Untersuchungen zur Rekonstruktion eines niederländischen Kleinschiffstyps, Duisburger Beiträge zur Schiffahrts- und Schiffbaugeschichte Heft 1, Stadt Duisburg (Hrsg.), Duisburg 1992,64 Seiten, 5 €.
Unter diesem Titel gibt das Museum eine Beschreibung des Modell heraus, die dazugehörigen 6 Pläne kosten 30,95 € und können ebenfalls über das Museum bezogen werden.

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