Aktualisiert 23.12.2015

Schoner METEOR IV

Die Segeljachten der letzten deutschen Kaiserfamilie

Jürgen Schwibode

Seitenansicht Steuerbord

Im Jahr 1908 war die Jacht der Familie Krupp auf vielen Regatten sehr erfolgreich und Kaiser Wilhelm II. mit seiner langsameren METEOR III fuhr wieder einmal hinterher, was ihn zu andauernd schlechter Laune hinreißen ließ. Da fasste sich der junge Max Oertz ein Herz und schlug ihm vor, eine Jacht zu bauen, die vom Kiel bis zum Flaggentop durch und durch "deutsch" sei. Der Kaiser war von diesem Vorschlag so begeistert, dass sich seine Laune schlagartig besserte.

Heckansicht

Umgehend wurde Oertz beauftragt, eine Jacht ähnlich der Germania zu konstruieren. Die Germania-Werft von Krupp in Kiel hatte reichlich Erfahrung darin und im Jahr 1909 war die Jacht fertiggestellt.

Daten und Maße:

Länge über alles: 47,20 m
CWL: 33,05 m
Breite: 8,27 m
Tiefgang: 5,50 m
Segelfläche: 1390 qm
Verdrängung: 266 t

Entwurf: Max Oertz
Werft: Germania-Werft, Kiel
Baujahr: 1909

Die Inneneinrichtung wurde von der Firma J.D. Heymann aus Hamburg geliefert und entsprach, wie bei der METEOR III, dem englischen Stil. Nur die Gestaltung der Decksausrüstung wurde nicht der Germania nachempfunden.

Grossbaum

Auch die Mannschaft sollte rein "deutsch" sein und nicht, wie auf den Schiffen METEOR I - III, aus englischen Jachtmatrosen bestehen. Deshalb wurde ein Verein, der Eckernförder Verein für Jacht-Mannschaften gegründet und kräftige junge Fischersöhne, die schon sehr gute Segler waren, als "bezahlte Hände" angeheuert.

Die Indienststellung des Schiffes erfolgte am 1. Mai 1909. Der erste Kapitän der METEOR IV wurde der Vize-Admiral Begas.

Deck, Fockmast

Im Juni nahm Kaiser Wilhelm II. die Jacht in Augenschein. Jetzt übernahm Kapitän Karpf das Kommando. Die Segel mussten getrimmt werden und die Mannschaft auf Sieg. So wurde in den kommenden Jahren die METEOR IV zu einer der erfolgreichsten Jachten, wobei aber über viele Jahre die schnellste Jacht überhaupt die von Herreshoff gebaute WESTWARD war.

Nachdem Prinz Heinrich mit der MARGHERITA bei der Kieler Woche alle Wettfahrten bis auf eine gewann, war der Kaiser wieder einmal unzufrieden mit der METEOR IV und dadurch schlechter Laune und befahl daraufhin den Bau eines neuen Schiffs, nämlich den der METEOR V.

Seitenansicht Backbord

Die METEOR IV wurde dann an den Herzog von Arenberg verkauft und bekam den neuen Namen AAR. 1920 wurde die Jacht von der französischen Seglerin Hériot erworben, die sie 1935 wiederum weiterverkaufte an eine spanische Marineschule. Diese verkaufte das Schiff später an einen Industriellen aus Bilbao, der es umbenannte auf den Namen MARÍA DEL CARMEN ANA. Im spanischen Bürgerkrieg ließ man das Schiff weitgehend verrotten; 1950 wurde es stillgelegt. Angeblich ist es in Bilbao ausgebrannt und gesunken und soll anschließend abgewrackt worden sein, was aber bis heute nicht nachgewiesen werden konnte.

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